Uns erreichen immer wieder Anfragen bezüglich der Möglichkeiten des Verkaufs geschlossener Fonds über eine Handelsplattform. Der Verkauf eines geschlossenen Fonds über eine Zweitmarktbörse ist eine von mehreren Möglichkeiten, sich von einer haftungsträchtigen Beteiligung zu lösen.

Grundsätzlich sollte im Falle des Vorliegens einer Falschberatung zunächst die Anspruchsstellung gegenüber dem Berater, den Prospektverantwortlichen oder Initiator des Fonds geprüft werden. Von einer Kündigung eines geschlossenen Fondsanteils ist meist abzuraten. Zumindest sollten hier zuvor Informationen über ein etwaiges negatives Abfindungsguthaben eingeholt werden. Im schlimmsten Fall würde eine Kündigung des Fondsanteils nämlich mit Zahlungsansprüchen der Fondsgesellschaft gegenüber dem Anleger enden. 

Viele Faktoren beim Verkauf (z. B. wie schnell ein Verkauf stattfinden und welcher Preis am Ende erzielt werden kann) der eigenen Beteiligung an einem geschlossenen Fonds über den Zweitmarkt sind nicht planbar. Dies liegt zum einen daran, dass es kein hohes Auftragsvolumen gibt. Zum anderen liegt es daran, dass es keinen regulierten Zweitmarkt für geschlossene Fonds gibt. Das Verkaufsprozedere eines geschlossenen Fondsanteils auf dem sog. Zweitmarkt ist sogar eher mit dem Autoverkauf über eine Online-Autobörse vergleichbar, als mit dem Verkauf von Aktien über eine regulierte Börse. Im Ergebnis handelt es sich bei dem Verkauf geschlossener Fondsanteile nämlich um den Verkauf eines Unternehmensanteils.

Der Ablauf eines Verkaufs der Fondsbeteiligung

Hat man sich für den Verkauf eines Fondsanteils entschieden, müssen einige Dinge beachtet werden.

1. Seriöse Handelsplattform auswählen 

Zunächst sollte eine seriöse Handelsplattform gewählt werden. Experten können Anleger unterstützen, zumal sich die Verkaufsbedingungen und tatsächlich mit dem Verkauf einhergehenden Kosten oftmals deutlich voneinander unterscheiden. Neben den gängigen Zweitmarktplattformen kann hier auch die Treuhandgesellschaft der Fondsgesellschaft, der Emittent oder auch andere Institutionen (institutionelle Käufer) eine sinnvolle Lösung darstellen. Es ist davon abzuraten sich vorschnell für einen bestimmten Anbieter zu entscheiden, da die Preisunterschiede im Erlös oft von Anbieter zu Anbieter sehr groß sein können.

2. Käufer finden 

Im nächsten Schritt muss ein potenzieller Käufer gefunden werden. Da Angebot und Nachfrage nach geschlossenen Fonds auf dem Zweitmarkt nicht vergleichbar sind mit der Nachfrage nach Aktien großer Unternehmen, gestaltet sich bereits die Suche nach einem Interessenten meist langwierig. Der Interessent muss auch bereit sein, den geforderten Preis zu bezahlen. In vielen uns bekannten Fällen endet der Verkaufswunsch von Anlegern schon im Anfangsstadium, da sich keine Interessenten zum ausgelobten Preis melden. Insoweit benötigt ein potenzieller Verkäufer nicht nur starke Nerven, sondern auch eine gute Portion Glück. Hilfreich ist hier ein gewisses Marktverständnis. Auch die Fondsgeselschaft oder Treuhandgesellschaft können einen möglichen Überblick über die Wertfindung eines Anteils an einem geschlossenen Fonds gegeben,

3. Verkaufsbedingungen prüfen 

Ist ein Käufer gefunden, der einen annehmbaren Preis zu zahlen bereit ist, müssen die Verkaufsbedingungen gründlich geprüft werden. Denn die meisten uns bekannten Verträge beinhalten keine Haftungsfreistellung des Verkäufers nach § 172 Abs. 5 HGB. Das bedeutet, dass der Verkäufer eines geschlossenen Fonds unter Umständen noch Jahre nach Verkauf zur Kasse gebeten werden kann. Dies gilt insbesondere im Falle der Schieflage des Fonds oder einer Insolvenz der Fondsgesellschaft für bereits erhaltene Ausschüttungen. Verkäufer einer Fondsbeteiligung sollten sich davor absichern, bevor sie dem Verkauf endgültig zustimmen.

Die Schwierigkeiten beim Verkauf einer Fondsbeteiligung liegen oft auch im Konstrukt eines geschlossenen Fonds selbst. Denn im Gegensatz zu einer Aktie, welche einen Unternehmenswert darstellt, sind geschlossenen Fonds oft so konzipiert, dass sie eine bestimmte Laufzeit beinhalten. So enden viele Fonds mit dem Verkauf eines finanzierten Objekts, wie z. B. einem Schiff oder einer Immobilie, sofern der Verkauf realisiert werden kann. Ferner beinhalten geschlossene Fonds oft Steuervorteile auf Fonds- oder Anlegerebene, welche in der Anfangszeit besonders attraktiv sind. Daher sinkt der Wert des Fonds mit zunehmender Haltedauer.

4. Steuerliche Betrachtung als unternehmerische Beteiligung

Bis vor einigen Jahren war es möglich, mit Immobilien-, Medien- und Leasingfonds erhebliche Steuervorteile zu nutzen. Zwar können Verlustzuweisungen aus negativen Einkünften nicht mehr wie früher mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden, Steuervorteile können Sie mit geschlossenen Fonds aber auch jetzt erreichen. Denn negative Einkünfte in der gleichen Einkunftsart können weiterhin später mit positiven Einkünften verrechnet werden.

Wer in einen geschlossenen Fonds oder eine Beteiligung investiert, wird zum Unternehmer. Die Erträge aus der Investition gelten dann im steuerlichen Sinn als Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Handelt es sich um einen Immobilienfonds, gelten die Erträge als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung.

Während Offene Fonds der Abgeltungsteuer unterliegen, gilt für Beteiligungen und Geschlossene Fonds die Einkommensteuer, da der Anleger als (Mit-)Unternehmer auftritt. Für das Finanzamt muss den Angaben zu „Einkünften aus Gewerbebetrieb“ und „Einkünften aus Vermietung und Verpachtung“ eine Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben beigefügt werden. Die Besteuerung erfolgt dann auf Grundlage des jeweiligen persönlichen Steuersatzes.

Besonderheit bei Schiffsfonds: Tonnagesteuer

Aufgrund besonderer Regelungen für den Warenverkehr kann die Steuerschuld bei Schiffsfonds nach der Größe des Schiffs errechnet werden. Somit wird nicht der eigentliche Ertrag, sondern nur die Schiffsgröße in Tonnen Frachtvolumen besteuert. Diese „Tonnagesteuer“ genannte Regelung ist im engeren Sinne keine Steuer, sondern eine Art der Gewinnermittlung. Dadurch kann das zu versteuernde Einkommen manchmal erheblich sinken, da relativ kleine Gewinne einkalkuliert werden.

Besonderheit: Doppelbesteuerungsabkommen

Anleger können auch niedrigere Steuersätze im Ausland für sich nutzen. Wenn die Investition im Ausland getätigt wird, steigt mit der geringeren Steuerbelastung im Ausland auch die Rendite vor Steuern. Ersparnisse können ebenfalls durch höhere Steuerfreibeträge im Ausland erzielt werden. Beachten Sie auch die Regelungen zu Freibeträgen im Rahmen von Erbschafts- und Schenkungssteuer. Hier liegen ebenfalls Potentiale für Steuervorteile geschlossener Fonds

5. Was bietet Ihnen die Kanzlei?

Während die Zweitmarktbörsen natürlich als reine Makler zwischen dem Verkäufer und Käufer stehen, haben wir allein Ihre Interessen im Blick und übernehmen für Sie in praktischer und rechtlicher Hinsicht die Abwicklung:

  • Wir setzen uns für Sie mit verschiedenen Zweitmarktbörsen Fondsgesellschaft, Treuhändern und institutionellen Käufern in Verbindung.
  • Wir eruieren die Konditionen der Zweitmarktbörsen.
  • Wir liefern Ihnen die Informationen zu den Verkaufsmöglichkeiten, die verschiedenen Kursindikationen der Zweitmarktbörsen und informieren Sie natürlich gegebenenfalls auch über die Möglichkeit eines Direkthandels.
  • Wir erläutern Ihnen ausführlich die Kosten sowie die Vor- und Nachteile der einzelnen Zweitmarktbörsen, die bei Beauftragung der verschiedenen Zweitmarktbörsen entstehen würden.
  • Wir verhandeln für Sie, um die bestmöglichen Konditionen bei dem Verkauf der Fondsanteile für Sie zu erzielen.
  • Wir beraten Sie ausführlich in Bezug auf die Regelungen des Kauf- und Abtretungsvertrages, so dass sie sehr genau wissen, worauf Sie sich mit dem Kauf- und Abtretungsvertrag einlassen. Dies gilt insbesondere für die Haftungsfreistellung (s.o.)